Walter J. Hollenweger
 
Blog

22.10.2007

Gibt es etwas mehr, als Jesus nachzufolgen?

«Bekehrung» bedeutet für mich «Nachfolge Jesu». Das muss ich ein ganzes Leben lang üben. Wenn «Bekehrung» ein Synonym für «Nachfolge Jesu» ist, dann ziehe ich den Begriff «Nachfolge» vor, aus folgenden Gründen:

1. Im Neuen Testament kommt «Bekehrung» fast ausschliesslich in den von den Übersetzern zugefügten Überschriften vor.

2. «Nachfolge Jesu» ist ein umfassender und universaler Begriff. Auch Nichtchristen können Jesu nachfolgen (siehe den Bericht über Mahatma GhandiL). Im Text des Neuen Testamentes kommt der Begriff «Bekehrung» nur einmal vor.

3. «Nachfolge Jesu» bedeutet für verschiedene Menschen Unterschiedliches. Für den Polizeikommandanten von St.Gallen (Gnädiger) bedeutete «Nachfolge Jesu», den Juden falsche Pässe auszustellen und sie so vom Vernichtungstod zu retten. Darum verlor er seine Stelle und wurde vor Gericht wegen Amtsmissbrauchs verurteilt. Für Gottlieb Duttweiler bedeutete "Nachfolge Jesu", dass er sein ganzes Vermögen verschenkte. Für einen Lehrer, den ich kenne, bedeutete «Nachfolge Jesu», dass er seine Stelle als Lehrer aufgab, um seine kranke Frau bis zum Tod zu pflegen. Für Marga Bürig bedeutete «Nachfolge Jesu», dass sie die wichtige Zeitschrift «Schritte ins Offene» gründete. Für Katharina Booth bedeutete «Nachfolge Jesu», dass sie in der Schweiz die Heilsarmee gründete und deswegen mit Gefängnis bestraft wurde. Für die Schweizer Täufer und Täuferinnen und die Mennoniten weltweit bedeutete «Nachfolge Jesu», die landläufigen Gesetze zu übertreten, den Dienst an der Waffe zu verweigern und dafür blutig bestraft zu werden.

Was gibt es Zusätzliches zu «Nachfolge Jesu»?

1:  Kommentar von Hans-Werner Hug – 18.05.2008
 
Was gibt es Zusätzliches?
Versöhnung
Vergebung
Ewiges Leben
...dass ich trotz Sünde, trotz feigem Versagen in der Nachfolge, wieder aufstehen darf und weitergehen kann an seiner Hand, und nicht verzweifeln muss, dass ich es wieder nicht geschafft habe. Er hat mir versichert wenn ich mich ihm anvertraue (glaube), bin ich sein Freund, bin ich Kind Gottes.
Bekehrung ist für mich kein Unwort, es bedeutet, ich wende mich ihm zu, weil er sich mir zugewandt hat.
Ich habe aber auch nichts gegen Nachfolge, außer, dass es mir zu einseitig mein Tun betont. Vielleicht sollten wir eher sagen, ich stolpere ihm hinterher, das trifft es schon eher. Aber das ist ja sicher auch nicht richtig, denn der Begriff Hinterherstolpern kommt im NT auch nicht vor, oder? ;-)