Walter J. Hollenweger
 
Blog

26.11.2007

Johannes Ehrlichs Adventsgebet

Lieber Gott, du weisst, dass ich Pfarrer wurde, um den Menschen das Evangelium zu verkündigen und die Bibel verständlich zu machen. Darum habe ich Theologie studiert. Darum habe ich Griechisch und Hebräisch gelernt. Im Studium wurde mir mit unwiderlegbaren Gründen gezeigt, dass die «Weihnachtsgeschichten» samt und sonders Legenden sind. Darf ich das meiner Gemeinde zumuten? Die Weihnachtslegenden wurden ihr im Kinderunterricht so erzählt, als wären sie historische Berichte. Und jetzt soll alles nicht «wahr» sein, obschon die Kirche diese Weihnachtslegenden seit Mesnchengedenken für zuverlässige historische Berichte hielt. Darf ich den alten, vertrauten Geschichten, die wir seit Kindertagen in den Ohren haben, widersprechen? Dazu fehlt mir der Mut. Wenn ich weiterpredige wie gehabt, bin ich ein unglaubwürdiges Plappermaul. Was soll ich tun? Zeig mir einen Ausweg.

Mehr zu diesem Thema im Heft «Die Leiden des Johannes Ehrlich» (in Vorbereitung)

1:  Kommentar von (anonym) – 28.11.2007
 
Ist die Bibel also kein Geschichtsbuch?

2:  Kommentar von Walter J. Hollenweger – 28.11.2007
 
Nein, die Bibel ist eine Sammlung von ganz verschiedenartigen Texten, ursprünglich verfasst in drei Sprachen (aramäisch, hebräisch, griechisch). Sie sind über einen Zeitraum von mindestens 1000 Jahren von vielen Autoren, Korrektoren und Kommentatoren verfasst worden. Viele Texte sind VOR der schriftlichen Fixierung durch eine längere mündliche Überlieferung gegangen. Andere Texte, zum Beispiel die Briefe des Neuen Testamentes, sind von allem Anfang an schriftlich verfasst worden.
In allen Fällen sind die ursprünglichen Handschriften (die Autographen) verloren gegangen. Wir haben nur Abschriften von Abschriften, aus denen die Bibelgelehrten versuchen, den sog. Urtext zu rekonstruieren. Unter den Texten befinden sich Mythen, Legenden, Sprichwörter, Gleichnisse, Märchen, Lieder, Gebete, Gedichte, Protokolle, historische Berichte, Novellen, Briefe etc. Zum Verständnis der Bibel ist es sinnvoll, sich über die Gattung der betreffenden Texte klar zu werden.

3:  Kommentar von Robert Lau – 28.12.2007
 
"Unwiderlegbare Gründe" gibt es im Bereich der historischen Forschung nicht.

4:  Kommentar von Walter J. Hollenweger – 09.01.2008
 
Sie haben Recht: Es gibt in der historischen Wissenschaft keine absolute Gewissheit, sondern nur Wahrscheinliches und weniger Wahrscheinliches. Das Gebet von Johannes Ehrlich ist kein wissenschaftlicher Artikel, sondern der Notschrei eines Pfarrers, der auf Grund seiner wissenschaftlichen Exegese nicht mehr weiss, was er predigen und lehren soll.

5:  Kommentar von Robert Lau – 25.01.2008
 
Das dreht sich jetzt ein wenig im Kreis. Wenn die "unwiderlegbaren Gründe" nicht aus der wissenschaftlichen Exegese kommen, woher kommen sie dann? Es gibt auch einen rationalistischen Fundamentalismus. Fundamentalisten fühlen sich meisten als unwiderlegbar.

6:  Kommentar von Judith Ammann – 29.01.2008
 
Man kann sich auch fragen, ob die Wahrscheinlichkeit, dass die Weihnachtsgeschichte eine Legende ist, höher ist, als dass sie ein historischer Bericht ist. Wenn man diese Frage abwägen will, muss man auch überlegen, warum Jesus als Kindes eines Gottes und einer Menschenfrau gezeichnet wird - und das ausgerechnet in einer Epoche, in der die Griechen Legenden über Heroen erzählen - Söhne eines Gottes und einer Menschenfrau.

Weiter gäbe es abzuwägen, warum die Astrologen, die dem Baby Jesus teure Geschenke bringen, aus dem heidnischen Morgenland stammen und warum sie ihre Informationen aus dem Stand der Sterne beziehen. Und warum die christliche Tradition aus Astrologen Könige macht, die Jesus einen "Staatsbesuch" abstatten.

Historische Berichte? Ich weiss nicht.

7:  Kommentar von Robert Lau – 30.01.2008
 
Ich würde nicht von einem "historischen Bericht" sprechen, sondern von einer Erzählung die Glauben wecken und stärken soll. Das schließt historisch wahre Elemente aber nicht aus. Herrn Johannes Ehrlich würde ich empfehlen, genauso wie Sie, Frau Ammann, zu argumentieren. Ohne den Anspruch von "unwiderlegbaren Gründen". Nach meiner Erfahrung gelingt dann ein Gespräch mit der Gemeinde.

8:  Kommentar von Judith Ammann – 31.01.2008
 
Also gut, Herr Lau. Die Erzählungen sollen glauben wecken. Das scheint mir logisch. Aber welchen Glauben denn? Was steckt hinter den Astrologen, und der Bezeichnung "Sohn Gottes"? Das muss doch etwas mit den Adressaten zu tun haben, für die diese Weihnachtsgeschichtenlegenden geschrieben wurden.

9:  Kommentar von Robert Lau – 05.02.2008
 
Die Adressaten waren zumindest bei Matthäus vor allem Juden. Für sie wäre eine Verbindung von griechischen Göttersagen und dem jüdischen Messias vermutlich anstößig gewesen. Aber auch für Lukas trifft diese religionsgeschichtliche Parallele kam zu, da inhaltlich etwas anderes geschildert wird. Jesus ist nicht Sohn eines Gottes und einer Menschenfrau, sondern wurde durch Einwirkung des Heiligen Geistes von Maria als Mensch geboren. Damit ist Jesu göttlicher Ursprung bezeugt. Das zeigt für mein Verständnis auch der Titel „Sohn Gottes“ an. Über mögliche geschichtliche Tatbestände hinter den Erzählungen kann hoffentlich unaufgeregt diskutieren werden!
Aus den Magiern wurden zu Unrecht die heiligen drei Könige. Interessant ist die Parallele zu dem „Magier“ Bileam, der schon einen Stern aus Jakob aufgehen ‚sah’. Auch er stammte aus dem Osten…

10:  Kommentar von Judith Ammann – 08.02.2008
 
Eben - offenbar verstehen auch "die aus dem Osten" etwas von den wirklich wichtigen Dingen im Leben...

Übrigens: Ich glaube an den Heiligen Geist als die Schöpferkraft Gottes. Also bin auch ich (und Sie, und...) durch Einwirkung des Heiligen Geistes geboren worden. Trotzdem habe ich einen irdischen Vater. Ich finde, man sollte Jesus nicht vermystifizieren. Er war ein Mensch, der sich kompromisslos gegen die Verlogenheit der herrschenden Klasse gestellt und dafür mit dem Tod bezahlt hat. Es gab andere, die seinem Beispiel gefolgt sind (Nachfolger sind), wie Gandhi - auch einer aus dem Osten...
Vielleicht wurden aus den Astrologen Könige gemacht, weil die Christen etwas Besseres sein wollen? Das würde dem Vorbild Jesu allerdings wiedersprechen.

11:  Kommentar von Robert Lau – 12.02.2008
 
OK, Frau Ammann, was raten Sie denn nun Herrn Ehrlich? Soll er seiner Gemeinde erklären, dass die Geschichte der Jungfrauengeburt nicht positiv zu interpretieren ist?

12:  Kommentar von Judith Ammann – 13.02.2008
 
Klar, was spricht dagegen?

13:  Kommentar von Robert Lau – 18.02.2008
 
Dagegen spricht, dass Johannes Ehrlich angetreten ist, das Evangelium zu verkündigen und die Bibel verständlich zu machen. Wenn Herr Ehrlich den Erzählungen der Jungfrauengeburt nichts Positives abgewinnen kann, ist es aber gut, ehrlich zu sein. Zur Ehrlichkeit gehört für mich aber auch, dass er seine Gemeinde darüber informiert dass 1. die meisten heutigen Theologen, die Jungfrauengeburt positiv als Zeichen der Menschwerdung Gottes würdigen können auch oder gerade wenn die Erzählungen als Legenden verstanden werden. 2. dieser Glaube nichts mit angeblichen „unwiderlegbaren Gründen“ zu tun hat. 3. z.B. Karl Barth an die Jungfrauengeburt als ein „real von Gott gegebenes Zeichen“ glauben konnte und deswegen wissenschaftlich nicht weniger redlich war als Herr Ehrlich. 4. kein zeitgenössischer Theologe mehr davon ausgeht, dass die Jungfrauengeburt von der Antiken Mythologie her verstanden werden kann, die von einer Verbindung von Gottheiten und menschlichen Frauen zu erzählen weiß. Ich bin überzeugt: Jede Gemeinde wäre für solche Ehrlichkeit dankbar! Kann man aber so viel Ehrlichkeit einem Pfarrer zumuten?

14:  Kommentar von Diana Simon – 19.04.2008
 
Ab und zu gehe ich in die Kirche und verlasse sie äußerst frustriert wieder, weil ich mich für dumm verkauft fühle, um kein häßlicheres Wort zu gebrauchen.

Eine Predigt ohne Diskussion ist für mich sowieso ein Anachronismus. Der Pfarrer als theologischer Fachmann sollte sein Wissen an die Gemeinde weitergeben, wobei man sich bewußt sein muß, daß die wissenschaftliche Erkenntnis von heute der Irrtum von morgen ist. Man kann der Gemeinde getrost überlassen, sich mit den Evangelien und den wissenschaftlichen Erkenntnissen auseinanderzusetzen. Es wird dabei etwas Lebendiges im Sinne Jesu herauskommen, im Gegensatz zu einer Presigt, die meinen Verstand beleidigt und mein Herz nicht erwärmt.

15:  Kommentar von Robert Lau – 07.02.2009
 
Aus Welt online:

Die Jungfrauengeburt - ein Übersetzungsfehler?
Von Klaus Berger 31. Januar 2009, 03:52 Uhr
Es lohnt sich, die Gesamtheit der Bibel-Zeugnisse zu analysieren
Ist die Auffassung, Maria habe ohne Mitwirken eines Mannes allein durch die Kraft des Heiligen Geistes den Heiland empfangen und geboren, ist dieser Glaube der Christen und der Moslems Erfindung des Evangelisten Matthäus - noch dazu aufgrund eines Übersetzungsfehlers? Denn, so heißt es seit langem immer wieder, die "junge Frau", von der Jesaja in seiner Prophezeiung spricht, hätten erst Griechen unter dem Einfluss ihrer Herrscher-Ideologie zur Jungfrau gemacht. So sei zwar nicht die Jungfrau zum Kind gekommen, wohl aber die "junge Frau" zur "Jungfrau" umfrankiert worden. War es so?
Doch der Glaube der Christen gründet sich an diesem Punkt auf zwei Evangelien, auf das nach Lukas und das nach Matthäus. Beide berichten durchaus Verschiedenes, ihre Berichte sind sicher unabhängig voneinander. Aber in den wesentlichen Punkten stimmen sie überein. Diese Punkte sind: Maria ist erstens die Verlobte Josephs. Sie hat keinen Verkehr mit Joseph gehabt. Zweitens ist der Heilige Geist Urheber Jesu im Leib Mariens. Dies wird - drittens - von einem Engel bekannt gemacht, und zwar nach Lukas bei der Empfängnis der Gottesmutter selbst, nach Matthäus nach der Empfängnis dem "Ziehvater" Joseph. Übereinstimmend ist - viertens - der Satz im Munde des Engels: "Und du sollst seinen Namen Jesus nennen." Das Recht zur Namensgebung hat aber im jüdischen Kulturraum der "Erzeuger", also Gott. Jesus wird dann - fünftens - in Bethlehem geboren, die Erzählung spielt zur Zeit des Königs Herodes. Lediglich Matthäus fügt als Schriftgelehrter das Zitat aus Jesaja (7,14) hinzu, "auf dass erfüllt werde, eine Jungfrau werde empfangen und einen Sohn gebären." Es kann schon allein aus diesem Grund nicht davon die Rede sein, dass die breite gemeinsame Erzählung (in Lk 1f und Mt 1f) aus diesem einen Zitat abgeleitet wurde.
Vielmehr wird die Stelle erkennbar nachträglich von Matthäus zur Kommentierung der Überlieferung gebraucht. Sie ist unmöglich deren Ursprung. Matthäus ist hier also kein Erfinder. Sondern er findet nachträglich ein Stück der Geschichte, die er berichtet, auch in der Heiligen Schrift, eben bei Jesaja. Sie wäre also auch - besonders angesichts der kräftigen Bezeugung durch Lukas, ganz ohne Schriftstelle bei Jesaja denkbar. Und sie ist auch ohne Bezug zu dieser Stelle entstanden.
Nun aber zu dem Zitat beim Propheten Jesaja selbst (in Kap 7, Vers 14). Im hebräischen Text ist da die alma genannt, zu deutsch eine junge Frau. Das kann alles heißen, auch Jungfrau. Doch man bedenke: Nach Jesaja soll das ein besonderes Zeichen Gottes sein, dass eine alma empfängt und ein Kind bekommt. Nun ist bekannt, dass über 99 Prozent aller Kinder von jungen Frauen empfangen und geboren werden. Worin soll das Besondere, das Zeichen, liegen, wenn lediglich eine junge Frau ein Kind bekommt? Das wäre kein Zeichen, sondern normal. Der Sinn dieser Schriftstelle bei Jesaja wäre damit schon nach dem hebräischen Wortlaut verpufft.
Da das Wort alma aber auch Jungfrau bedeuten kann, lässt also schon der hebräische Text geheimnisvoll offen, wie diese junge Frau zu ihrem Kind kommt. Wenn die lateinische Septuaginta-Übersetzung hier "Jungfrau" schreibt, so kann das heißen: Eine junge Frau, die zuvor Jungfrau war, und die gleich nach ihrer allerersten geschlechtlichen Begegnung mit einem Erzeuger schwanger wird. Keineswegs meint die Septuaginta also schon zwingend eine Jungfrauengeburt von der Art, wie Matthäus sie später im Fall Marias im Nachhinein versteht und beschreibt, der die Stelle, dass nämlich das Kind in der schwangeren Maria vom Heiligen Geist kommt. Das geht auch aus der griechischen Fassung von Jesaja gewiss nicht hervor.
Aber haben hier nicht dennoch hellenistische Mythen Pate gestanden, wonach bedeutende Herrscher gern und oft durch göttlichen Ehebruch mit menschlichen Frauen entstanden sind? Es gibt eine ganze Reihe solcher Geschichten, die man zum Beispiel bei Plutarch in den Biographien der Herrscher nachlesen kann. So sei Philipp von Makedonien verfrüht von einer Reise zurückgekommen und habe aus dem Schlüsselloch des Schlafzimmers ein helles Licht leuchten sehen. Als er hineinguckte, sah er, wie der Gott Zeus sich penisartig in eine Schlange gleißenden Lichts verwandelt und am Unterleib seiner Ehefrau zu schaffen machte.
Das Drama hatte zwei Folgen: Philipp erblindete auf dem Auge, mit dem er durch die Türe gelinst hatte und das Kind, das seine Frau von Zeus empfangen hatte, wurde Alexander der Große. So ähnlich, glauben mit bewundernswürdiger Einfalt spöttische Zweifler und Bibelausleger, hätten wohl auch die frühesten Christen frivole Göttergeschichten erfunden, um die Bedeutsamkeit Jesu in ihrem Sinn zu unterstreichen. Mit einem wissenschaftlichen Purzelbaum wird dafür sogar postuliert, es müsse sich eben hier um Heidenchristen gehandelt haben, die solche "Schweinereien" Jesus anhängten. Das soll einer glauben - dass frühe Christen zur Unerklärlichkeit des Auftretens Jesu nichts Besseres zu tun hatten als auf mehr oder weniger geschmacklose heidnische Mythen zurückzugreifen? Sie sollen also ausgerechnet auf ein Thema zurückgreifen, über das sich schon in der Antike der jüdische Historiker Josephus lustig macht?
Abgesehen davon ist auch die Auffassung, Jesus sei Gottes Sohn, und zwar durch den Heiligen Geist, eine Überzeugung, die allen Evangelien und Paulus so grundlegend gemeinsam ist, dass es schon ein grobes und großes Kunststück wäre, das alles für "spät" und deshalb für erfunden zu erklären. Aber wie dann? Wie soll es dann gewesen sein und sich zugetragen haben? Matthäus und Lukas lassen keinen Zweifel an der biologischen Gottessohnschaft Jesu. Darin waren sich Orthodoxe, Katholiken, reformatorische Christen und sogar Moslems stets einig - bis man eben seit dem 19. Jahrhundert grundsätzlich Gottes Wirken aus der Welt verbannen wollte und die biblischen Geschichten als Märchen erklärte.
Eine Lösung sehe ich mit einem Ausweg aus dieser wissenschaftlichen Sackgasse in zwei Punkten. Einmal gibt es eine innerhalb der Bibel des Alten und dann des Neuen Testaments selbst ansteigende Linie, als deren Erfüllung und Vollendung man die Entstehung Jesu durch den Heiligen Geist ansehen darf. Nach Jesaja 49 ist der Prophet "vom Mutterleib an berufen", Gott hat seinen Namen genannt. Auf der nächsten Stufe sehen wir, wie der Prophet Jeremia (Jer. 1) vom Mutterleib an ausersehen und "geheiligt" ist.
Eine weitere nächste Stufe findet sich im 1. Galaterbrief, wo Paulus vom Mutterleib an ausgesondert ist, berufen durch Gnade. Von einer noch höheren Stufe spricht Lukas (Lk 1,15), wo er Johannes den Täufer darstellt als vom Mutterleib an "erfüllt vom Heiligen Geist". Am Ziel und Gipfelpunkt dieser aufsteigenden Linie kommen wir dann bei Jesus an, von dem Lukas (Lk 1,30) schließlich sagt: Jesus ist von Anfang an im Mutterleib durch den Heiligen Geist geworden. Wichtig an dieser Linie ist: Die Frau ist jedes Mal in ihrer Mutterschaft einbezogen in die Sendung ihres Sohnes. Das ist Elisabeth bei Johannes, dem größten Propheten, und schließlich Maria, die mit Jesus den Herrn aller Propheten zur Welt bringt.
Dieses Geheimnis setzt radikal Gottes erwählendes Wirken vom Lebensanfang an voraus. Das wird hier immer tiefer begriffen und verstanden, immer heiliger aufgefasst und erlebt. Hier findet sich deshalb nichts, aber auch gar nichts von Ehebruch und Frivolität oder, wie Plutarch es sagt, von gewissen göttlichen Gerüchen. Hier bereitet sich im Rahmen der Geschichte der Propheten über Johannes das Geheimnis der Menschwerdung Gottes und seiner Sendung in Jesus durch den heiligen Geist Gottes vor. Dabei sind Erfassung, Selbstverständnis und Geschehen unteilbar eins. Hier geht es nicht um den Spalt zwischen Geschehen und späterer ideologischer Deutung, sondern hier wird in Entstehung und Schwangerschaft der Propheten und schließlich in dem, der mehr ist als alle Propheten, massiv Gottes Führung erlebt. Das geheime Thema ist Heiligkeit vom ersten Augenblick der Entstehung an. Mit dem neuzeitlichen Ausdruck "Jungfrauengeburt" ist das alles nicht einmal gestreift.