Walter J. Hollenweger
 
Blog

14.04.2008

Jesus von Nazareth

Jesus von Nazareth war ein Handwerker aus Galiläa. Er wurde von Johannes dem Täufer getauft. Er heilte Kranke und erzählte in seinem kurzen Leben Gleichnisse, in denen er die Ankunft des Reiches Gottes beschrieb. Das Reich Gottes aber kam nicht in der erwarteten Weise. Trotzdem beeindruckte Jesus durch seine erstaunliche Transparenz. Er tat, was er sagte. Er lehnte Gewalt konsequent ab. Er lebte einen vorbildlichen Umgang mit den Frauen vor. Er lehrte: Wer vergibt, dem wird vergeben werden (im «Unser Vater»). Er warnte auch vor der Heuchelei des Klerus. Er nannte die religiösen Führer «blinde Blindenleiter». Diese rächten sich an ihm, indem sie ihn bei den Römern als Aufwiegler verklagten. Die Römer machten kurzen Prozess und kreuzigten ihn. (Zur Auferstehung werde ich später berichten.)

Spätere Autoren, die Jesus nicht persönlich gekannt hatten, sahen in ihm einen Gottmenschen (zum Beispiel Paulus oder der Verfasser des Johannesevangeliums, der ca. um 100 n.Chr. schrieb). Doch für diese Interpretation gibt es in Jesu Selbstzeugnissen keine Anhaltspunkte. Jesus lehnte es ab, angebetet zu werden. Trotzdem rief er seine Jünger in seine Nachfolge, das heisst in ein Leben der Wahrhaftigkeit und der Selbstlosigkeit. Das war vielen zu wenig spektakulär. Man erfand allerhand für Spekulationen, die bis heute unnötige Barrieren für den Glauben aufrichten.
Trotzdem gibt es immer wieder Menschen, die diesem Jesus von Nazareth nachfolgen. Einer von ihnen ist Albert Schweitzer, der Urwald-Doktor. Man wirft ihm vor, er sei gar kein Christ, weil er nicht an die Göttlichkeit Jesu glaubte. Er sei ja «nur» ein Jesusnachfolger (siehe Text vom 22. OktoberL). Aber ich glaube, es stünde besser um unsere Kirche, wenn wir mehr Jesusnachfolger und weniger christologische Spekulanten hätten.

Mehr zum Thema: Albert Schweitzer: Von der christologischen Spekulation zur Nachfolge Jesu (Metanoia 2008)

1:  Kommentar von Robert Lau – 17.04.2008
 
Wo lehnte es Jesus ab, angebetet zu werden? Nach Mt 14,33 beten seine Jünger Jesus an. Sie vollzogen die Proskynese, die nach Mt 4,10 nur Gott zukommt.

2:  Kommentar von Diana Simon – 20.04.2008
 
Die Antike ging mit dem Gottesbegriff ziemlich inflationär um. So wurde z.B. der irre Gewaltverbrecher Nero auch als Gott angesehen. Jesus wurde vielleicht im hellenistischen Sinne als Gott - also als bedeutender und herausragender Mensch - angesehen, aber niemals im jüdischen Sinne.

Wer sich heute mit den Naturwissenschaften als der Handschrift Gottes beschäftigt, der bekommt den Hauch einer Ahnung von der Größe Gottes und es erscheint einfach als blasphemisch, darüber zu diskutieren ob ein Mensch Gott ist.

Für mich hat Jesus sehr viel mehr als andere Menschen vom Wesen des Göttlichen erfaßt, z.B. auch, daß das Erkennen des Göttlichen notwendigerweise eine andere, nämlich eine von der Liebe geprägte Lebensweise bedingt.

Er hat auch nirgens gesagt, wir sollten Buchstabenklauberei betreiben, sondern wir sollten Gott über alle Maßen lieben und unseren Nächsten wie uns selbst.

Wer unser Nächster ist und was wir tun sollen, dazu hat er uns viele Beispiele gegeben.

Die ganzen späteren "Additiva" wie Erbsünde, Dreifaltigkeit, Christologie, Erlösung, Kirche usw. verstellen bloß den Blick auf das Wesentliche.

3:  Kommentar von Robert Lau – 21.04.2008
 
Blasphemisch??? Wirklich blasphemisch, Frau Simon? Das Neue Testament wurde so weit wir wissen fast ausschließlich von Juden verfasst. Dass „im jüdischen Sinne“ gedacht und geschrieben wurde, braucht hoffentlich nicht wieder betont werden! Das jüdische Denken wird gerade da deutlich, wo Jesus betont, dass Gott allein angebetet werden soll (Mt 4,10). Nero hat Christen verfolgt. Ein schlechter Beleg für die Geisteshaltung der Christen im NT!

Ich bin der Meinung, dass genaues Hören auf den Wortlaut der Texte hilfreich sein kann. Aus dem NT lässt sich ersehen, dass Jesus von Anfang an angebetet wurde. In 1. Korinther 1,2 wird deutlich, dass die Anrufung des Jesusnamens schon sehr früh ökumenischer Konsens war. Das belegen auch die Hinweise in der Apostelgeschichte für das Wort ‚anrufen’. Aus Apg. 9,14 geht hervor, dass „der Anruf des Jesusnamens ein Hauptunterscheidungsmerkmal der Christen gegenüber den Juden“ (G. Stählin) war. Das ThWNT schließt seine ausführliche Analyse mit dem Ergebnis, dass solche Anrufung Jesu im Gebet im NT als „das  c h a r a k t e r i s t i s c h e   M o m e n t   d e s   M e s s i a s g l a u b e n s   e r s c h e i n t“.

Dass Jesus es ablehnte angebetet zu werden, lässt sich nicht belegen. Der auffällige Befund der Anbetung Jesu in der ersten Christenheit wäre mit solch einer Ablehnung auch gänzlich unverständlich. Für das Gespräch über solche Fragen habe ich zwei Bitten: Erstens sollte nicht ein Blasphemievorwurf vorschnell ergehen. Zweitens ist es aus meiner Sicht hilfreich, persönliche Wünsche über Jesus vom dem zu unterscheiden, was sich auch belegen lässt.

4:  Kommentar von Walter J. Hollenweger – 24.04.2008
 
Antwort an R. Lau: Jesus macht einen Unterschied zwischen sich und seinem Vater!

Da kam einer gelaufen und warf sich vor ihm nieder auf die Knie und fragte ihn: "Guter Meister, was muss ich tun, um ewiges Leben zu erben?" Jesus sagte zu ihm: "Was nennst du mich gut? Niemand ist gut, ausser Gott ... Geh, verkaufe, was du hast und gib es den Armen ..." Der aber war entsetzt über dieses Wort und ging traurig fort, denn er hatte viele Güter (Mk 10,17-22).

Jesus macht einen klaren Unterschied zwischen sich und seinem Vater. Warum ist es für unserer Kirche wichtig, Jesus als "göttlich" zu bezeichnen, wo Jesus sogar die Bezeichnung "gut" ablehnt?
Antwort: Weil Jesus als "göttlich" zu bezeichnen nichts kostet. Ihm nachzufolgen aber ist teuer. (Ich kenne aber auch Menschen, die Jesus als göttlich bezeichnen und ihm trotzdem nachfolgen wollen. Diese sind zwar falsch informiert. Dafür können sie nichts. Hauptsache, sie folgen Jesus nach.)

5:  Kommentar von HWHug – 24.04.2008
 
Ich muss, um Jesu Göttlichkeit festhalten zu können, nicht auf das Johannesevangelium allein zurückgreifen.
Auch Markus geht in seinem ganzen Evangelium in allen Geschichten, die er erzählt davon aus, dass dieser Jesus mehr ist als ein Mensch. Es ist so konzipiert, dass die Erzählungen auf den hinweisen, mit dessen Kommen das Himmelreich, das Reich Gottes also gekommen ist. Wer sonst sollte unreine Geister austreiben (Mk.1,21ff) und dämonisches Fieber besiegen können (1,29ff) und in den Summarien die nun folgen. Wer sonst könnte die Unreingesprochenen befreien aus ihrer Isolation, um sie in die Gemeinde der Glaubenden zurückzuholen (1,40ff), wer sonst sollte Sünden vergeben können - die Schriftgelehrten motzen ja gerade deswegen mit der Bemerkung: das kann nur Gott - und Jesus heilt ihn - zum Zeichen, dass er Sünden vergeben kann. Und das heißt doch in diesem Zusammenhang: Zum Zeichen, dass er sich keineswegs der Blasphämie schuldig gemacht hat, dass er also Gott ist. Er kann Sünden vergeben. - Eine Geschichte nach der anderen weißt darauf hin - mit Jesus ist das Reich Gottes da.
Ein kleiner Hinweis noch, dass Markus das so sieht im Gleichnis vom Säman eingeschlossen, spricht er - im Unterschied zu Matthäus, vom Geheimnis des Reiches Gottes (sg!!!). Also nicht irgendwelche Machttaten, sondern von seiner Person.
Markus geht schon davon aus: Jesus ist der Mensch gewordene, zu den Menschen gekommene Gott.
Natürlich - Markus ist auch jemand, der Jesus nicht persönlich gekannt hat, zumindest nicht mit ihm durch die Lande gezogen ist. Markus ist für mich aber derjenige, der gegen Ende mit Petrus in Rom dessen Hermeneut oder Dolmetscher war. (vgl. hierzu Werner Grimm, "Markus, ein Arbeitsbuch zum ältesten Evangelium", der sich seinerseits auf Martin Hengel beruft)
Markus hält die Missionspredigt des Petrus fest, - mit diesen Worten, Geschichten etc oder ähnlich hat Petrus zum Glauben an Jesus eingeladen. D.h. Aus der frühesten Retroperspektive wurde Jesus - sotternd und mit vielen offenen Fragen - als der bekannt, der Sünden vergeben kann, der also Gott ist. Natürlich begegnen uns im Mk.ev Aussagen in denen Jesus Gott als sein Gegenüber ansprecht. Genauso aber kommen die, die mit ihm Unterwegs waren aber, je länger sie reflektieren - also Theologie betreiben - nicht darum herum, seine Gottheit glaubend zu behaupten, durch das, wie sie für ihn werben und die Menschen auffordern an ihn zu glauben. Es gibt keinen Grund schlauer als Markus sein zu wollen. Wir haben nichts anderes, als die Evangelien. Ein dahinter zurück kann zwar spekuliert werden, es ist aber immer behaftet mit einem Axiom, das wir schon vor unserer wissenschaftlichen Untersuchung festgelebgt haben.
Wenn also die, die so dicht drauf waren, wie Markus (über Petrus, und vielleicht ja auch über Paulus und Barnabas)auf die Frage: Was ist uns denn mit Jesus eigentlich widerfahren? - zu dem zugegeben, stotternden und holprigen Zeugnis kommen: Der "Sohn Gottes" ist da - was ja nicht einen geschlechtlichen Vorgang meint, sondern die Ausdrucksweise für: er war in einer sich selbst zurückgenommen Art und Weise Gott selbst, das Reich Gottes in Person ist angebrochen, uns nahegekommen. Wie kommen wir dann heute auf die Idee, wir könnten etwas anderes, weniger, herauslesen? Was ist eigentlich das Motiv, dass Sie so etwas behaupten, und Christen, vorwerfen, sie seien nicht richtig informiert? Geht es denn eigentlich nur um die rechte Information? Und warum sollte ich gerade Ihnen glauben, dass sie die rechte Information haben?

6:  Kommentar von Robert Lau – 28.04.2008
 
Ja, an die Göttlichkeit Jesu zu glauben, kostet für manche nichts. Mir geht es um die Praxis der Anbetung Jesu. Das taten nach dem Zeugnis der Apostelgeschichte die Jünger Jesu von Anfang an! „Allerorten“, kann Paulus den Korinthern schreiben, wird der Name des Herrn Jesus angerufen. Das hat nicht erst Paulus erfunden. Er hat nicht alle Gemeinden gegründet. Er nennt den unumstrittenen Konsens der Christen. Besonders eindrücklich ist die Anrufung Jesu durch den Märtyrer Stephanus (Apg. 7,59). Hinter der Anrufung steht eine alte Prophezeiung Joels, die Petrus zitiert (Apg. 2,21). Diese Anrufung hat durchaus etwas gekostet. Sie war im jüdischen Kontext höchst anstößig. Die Frage, wie sie zustande kam, ist sehr aufschlussreich! Wenn die „Posaune“ der Jesustradition hier einen „undeutlichen Ton“ gegeben hätte, wäre eine Anbetung Jesu recht unwahrscheinlich gewesen. Auch dem reichen Jüngling gegenüber wird der Ton nicht undeutlich! Auf die Frage nach dem ewigen Leben wird von ihm auch und gerade die Nachfolge Jesu gefordert. Das ist im Judentum absolut singulär. Kein Rabbi hätte das gekonnt. Theologen können Glaube und Gehorsam Gott gegenüber fordern. Aber nicht der Nachfolge ihrer selbst Heilsbedeutung beimessen! Bezeichnend ist weiterhin, dass Jesus die Gebote der ersten Tafel nicht nennt. Das erste Gebot spiegelt sich in der Forderung, vom Mammon zur Nachfolge Jesu zu kommen! Eduard Schweizer kann zur Stelle schreiben: „Darin soll er den Gehorsam gegen Gott bewähren, dass er erkennt, wie dieser in Jesus auf ihn zukommt“ (NTD). Deshalb ist es nicht ratsam, die Frage Jesu: „Was nennst du mich gut?“, als Zurückweisung des Prädikats „gut“ aufzufassen. Es könnte auch eine echte Frage sein. Etwa so: ‚Was nennst du mich gut? Niemand ist gut außer Gott. Hast du erkannt, dass ich der Christus bin? Dann sind Konsequenzen unabdingbar! Gehe hin und verkaufe, was du hast und folge mir nach.’ Der weitere Kontext des Markusevangeliums macht diese Auslegung wahrscheinlich. Denn auch da verkündigt Jesus seine Messianität verhüllend (Messiasgeheimnis). Das wäre typisch Markus. Wenn das alles so richtig ist, könnte die Geschichte auch lehren: Christologie („guter Meister“) kann viel kosten. Dem reichen Jüngling mehr, als er einsetzen will.

7:  Kommentar von Mirjam Sydler – 28.04.2008
 
Ich verstehe das Problem von Herrn Lau nicht. In Prof. Hollenwegers Texten geht es um den wahrhaftigen Jesus, den er verehrt und ihm viele Jahre seines langen Lebens widmete. Wenn Herr Lau dem wiederspricht, was Prof. Hollenweger vertritt, nämlich der Ansicht, das Jesus nicht göttlich sein wollte, dann verstehe ich nicht, warum er argumentiert, Matthäus, die Juden, Paulu, Markus und wer auch immer sonst noch hätten Jesus als göttlich gesehen. Jesus war doch nicht verantwortlich für die Taten seiner Jünger!-
Zudem frage ich mich, warum Herr Lau sich so für eine Tatsache einsetzt, die weiss Gott niemandem etwas nützt. Anstatt sich als gläubiger Mensch für die Übertragung der Botschaft Jesus einzusetzen, (oder als Mensch, der dem Glauben nichts abgewinnen kann, sich für ein besseres Verständnis der Menschen untereinander einzusetzen) bekämpft er in einem offiziellen Diskussionsportal die Meinung von Menschen, welche sich mit guten und intelligenten Argumenten für eine bessere Welt einsetzen, in der viele Unsicherheiten der Bibel und dem Glauben gegenüber klarer werden.
Ich kenne Herr Lau nicht und weiss auch nicht, ob er gläubig ist oder nicht, denn trotz seinen wohlgewählten Worten, die den Anschein machen, dass er sich in der Wissenschaft der Theologie auszukennen scheint, vermisse ich so etwas wie Empathie, Tiefgang und der gewissen Rücksicht und den Respekt anderen Menschen und ihren Meinungen gegenüber.
In seinen Texten kommt nicht rüber, was er eigentlich denkt sondern er argumentiert nur gegen die Meinung der Anderen und das ist etwas schade.
Ich bin überzeugt, das genau solche Haltungen, die die Meinung der Anderen nicht zulassen, dazu führen, dass wir es bis heute nicht geschafft haben, der Botschaft Jesus zu folgen. Die ewigen Streitereien über das Warum bringen uns Menschen doch nie irgendwohin.
Vielmehr interessieren die emotionalen Meinungen der Menschen zu diesem Thema. Aussagen mit Tiefgang über die eigene Ansicht, so wie es andere Mitdiskutierende getan haben. Selbsterfahrungen und Einsichten, die uns im Miteinander weiterbringen, das sind grosse Errungenschaften.

8:  Kommentar von Robert Lau – 01.05.2008
 
Liebe Frau Sydler, gerne möchte ich mich auf ihre Anfrage hin zu erkennen geben. Ich argumentiere mit Markus, Matthäus und anderen Jüngern, weil wir den „wahrhaftigen Jesus“ nur vermittelt durch diese frühen Zeugen kennen. Auch Walter Hollenweger tut nichts anderes, denn wir haben im Wesentlichen nur diese Zeugen. Deswegen müssen wir uns schon die Mühe machen, zu hören, was sie sagen. Hellhörig werde ich allerdings, wenn Leute behaupten, ihr Jesus ist „wahrhaftiger“ als der Jesus von Markus, Matthäus (Thema Anbetung) und andern ersten Zeugen. Noch hellhöriger werde ich, wenn dann noch behauptet wird, dass die, die einer anderen Meinung sind, falsch informiert sind. Dann stelle ich kritische Fragen. Es gibt unterschiedliche Bewertungen in der Frage, wer Jesus war. Das ist nicht schlimm. Problematisch ist, wenn einer sagt: Mein Jesus ist der wahre Jesus und wenn du es anders siehst, bist du falsch informiert. So einfach ist die Welt nicht.
Ist Walter Hollenweger wirklich so viel besser informiert als andere Christen? Und wenn ja, woher hat er sein wissen? Woher weiß er, dass erst Paulus Jesus als Gottmenschen gesehen hat? Mal abgesehen davon, dass bei Paulus die Bezeichnung „Gottmensch“ an keiner einzigen Stelle vorkommt, ist unbestreitbar, dass er das Thema Göttlichkeit Jesu nie eigens thematisiert (geschweige denn spekuliert). Ob Paulus Jesus als Gott bezeichnet hat, ist sogar unsicher. Da wo man anhand anderer Formulierungen an eine Göttlichkeit Jesu denken kann, greift Paulus auf älteres Traditionsgut zurück. Das hat die formgeschichtliche Forschung herausgefunden. Es ist also älter als Paulus! Woher weiß Herr Hollenweger eigentlich, dass solche Christologie von Leuten kam, die Jesus nicht kannten? Von den ersten Christen heisst es: „…sie blieben beständig in der Lehre der Apostel…“, also der Jünger Jesu. Sie beeinflussten maßgebend die Lehre und damit auch die frühen Lieder und Bekenntnisse. Darauf greift Paulus zurück. Außerdem: Mit diesen Jüngern hatte Paulus Gespräche. Herr Hollenweger nicht. Woher weiß er, dass die Nachfolge Jesu vielen zu wenig Spektakulär war? Hat er sie gefragt? Gibt es dafür Anhaltspunke bei Paulus oder andern neutestamentlichen Autoren?
Solche kritischen Fragen mögen manche stören. Ich bin aber überzeugt: Religion oder auch nur ein religiöses Milieu ist ohne Kritikfähigkeit und Kritikfreundlichkeit gefährlich. Religion braucht Kritik. „Emotionale Meinungen“ nützen da wenig. Was dann als „Tiefgang“ empfunden wird, hängt nach meiner Erfahrung stark von der eigenen Perspektive ab.
Dass Gott Mensch wurde finde ich sehr tiefsinnig und anrührend. Sicher: Nicht jeder kann etwas damit anfangen. Mit Spekulation hat das für mich nichts zu tun. Suchen sie doch mal, Frau Sydler, Stellen im NT, wo über die Göttlichkeit Jesu spekuliert wird. Sie werden keine einzige finden! Deshalb finde ich es nicht tiefsinnig, wenn Herr Hollenweger dagegen ankämpft. Das ist eine Frage der unterschiedlichen Perspektive. Auch ihnen gegenüber habe ich eine Bitte für das Gespräch: Sie sagen, das ich mich für eine Tatsache einsetzte, „die weiß Gott niemanden etwas nützt“. Woher wissen sie das? Die Göttlichkeit Jesu wird z.B. bei unseren orthodoxen Geschwistern in einer kunstvollen Liturgie gepriesen (und nicht darüber spekuliert). Das ist für diese Christen wesentlich. Kann es nicht sein, dass sie damit gute Glaubenserfahrungen machen? Wie können sie sagen, dass es ihnen nichts nützt? Urteilen sie bitte nicht über den Glauben anderer! Religion und Theologie muss für Kritik offen sein. Über persönliche Glaubenserfahrungen anderer sollten sie nicht herabsetzend reden.

9:  Kommentar von Judith Ammann – 07.05.2008
 
Zurück zum Thema:
Es ist ein Unterschied, ob ich einem menschgewordenen Gott nachfolgen will, oder einem herausragenden, integren Menschen, der seine Konsequenz mit seinem Leben bezahlt hat.
Einem Gott nachzufolgen fordert keine Entscheidungen, keine Tat. Das ist das Problem der Volkskirche. Aber Jesu Beispiel nachzufolgen - das geht ans Eingemachte, weil es ganz konkrete Verhaltensänderungen hervorbringt. Wie bei ihm oft gegen den eigenen Vorteil...

10:  Kommentar von Hans-Werner Hug – 07.05.2008
 
Sorry, Frau Ammann,
das versteh ich nicht. Wieso fordert einem Gott nachzufolgen keine Entscheidungen? Wieso bringt die Nachfolge Jesu, den ich als Gott verehre, keine konkreten Verhaltensänderungen hervor? Ich behaupte genau andersherum ist es. Ich sehe in der Wirklichkeit was ganz anderes, bei mir im Kleinen und bei den verfolgten Christen in China, Nordkorea und in vielen islamischen Ländern, im Großen. Sie folgen Jesus als ihrem Gott und setzen dabei z.T. ihr Leben ein. (www.opendoors-de.org) Wir sind da noch in einer geradezu paradiesischen Lage.
Was Sie schreiben entbehrt für mich jede Logik.

11:  Kommentar von Judith Ammann – 09.05.2008
 
Genau die paradiesische Lage ist ja das Problem. Und weil die Menschen an sich andere Massstäbe legen als an ihren Gott (Einflussbereich, Wirkungskraft oder andere), folgen Menschen, die einem Gott nachfolgen, etwas Unerreichbarem nach - und die meisten legen die Hände in den Schoss. Schauen Sie sich um - die Welt geht vor die Hunde (Klimaerwärmung, wirtschaftliche Ausbeutung der Schwächeren, Inflation der Reispreise etc.) und k e i n Gott wird die Welt retten.
Diese Aufgabe müssen die Menschen selber lösen aus Verantwortung gegenüber den Schwachen (Working Poor, nächste Generation, Hungeropfer in Trockengebieten) und gemäss dem Beispiel des Jesus von Nazareth, der sich gegen die herrschende Klasse (das wären heute Wirtschaftsmultis, einige Politiker etc.) und gegen die vorherrschende Meinung für die Verlierer seiner Gesellschaft eingesetzt hat.
Haben Sie übrigens gewusst, dass Nestlé 2007 10% ihres Umsatzes mit Hahnenwasser erzielt hat, welches sie in Plastikflaschen abgefüllt und mit bunten Etiketten versehen verkauft hat?

12:  Kommentar von Diana Simon – 11.05.2008
 
Zu Herrn Lau: Mt 14,33 als Anbetung Jesu durch die Jünger zu sehen, finde ich etwas weit hergeholt. Die Jünger fürchten im Sturm den Tod durch Ertrinken und fallen vor Jesus nieder und nennen ihn Gottes Sohn. Daß jemand vor seinem Lebensretter auf die Knie fällt, vor allem wenn er südländischer Mentalität ist, finde ich nicht außergewöhnlich und auch heute noch sagt man selbst in weniger dramatischen Situationen: "Dich hat der Himmel geschickt!"

Bitte ergänzen Sie: "Es erscheint MIR blasphemisch...."

Ich habe differenziert zwischen dem jüdischen und dem hellenistischen Gottesbegriff. Sie brauchen deshalb nicht unterschwellig zu unterstellen, es sei für mich nicht selbstverständlich, daß die ersten Jüger Jesu, Jesus selbst und die Synoptiker Juden waren.

Weder nach der jüdischen Lehre noch nach dem Juden Jesus kann Jesus Gott sein. Ganz anders in der hellenistischen Welt - ich habe übrigens auch nicht geschrieben, daß die CHRISTEN Nero als Gott ansahen - dort gab es schon mal einen sehr "menschlichen" Götterhimmel und die Kaiser wurden göttlich genannt.

Die der griechischen Sprache mächtigen Evangelisten waren nach meiner Auffassung auch in der hellenistischen Welt zu Hause und sie schrieben auch für nichtjüdische Menschen, die nur von der hellenistischen Welt geprägt waren. Ihnen wollten sie Leben und Werk Jesu verständlich machen.

Wenn wir heute über den Gottesbegriff nachdenken, vor allem nach den Erkenntnissen der Kosmologie und anderer Naturwissenschaften, dann kann m.E. das jüdische Gottesbild weiterentwickelt werden, es bleibt jedoch ohne grundlegende Änderung.

Das hellenistische Gottesbild war an die Epoche geknüpt und hat sich überlebt.

Ich fände es wirklich lebensnäher, wenn wir über das Göttliche im Menschen - C.G. Jung nennt es das Selbst - die Buddhanatur oder Meister Ekkehard nachdenken würden, als über Jesus als Gott.

Wieviele Menschen die herrschende Lehre noch erreicht, zeigen die Zahlen der Kirchenbesucher. Ich kann meinen Enkeln jedenfalls nicht mit Denkgebäuden aus der Spätantike und dem Mittelalter kommen.

13:  Kommentar von Hans-Werner Hug – 15.05.2008
 
Liebe Frau Ammann,
ja, ich gebe ihnen recht, die "paradiesischen" Zustände sind ein Teil des Problems, Stichwort „Bequemlichkeit“. Bequemlichkeit ist aber kein Privileg von Menschen, die Jesus als Gott verehren – wo sehen sie da einen Zusammenhang? - schon da hört meine Übereinstimmung mit Ihnen auf. Es ist vielmehr ein allgemeines Phänomen: Wenn es uns gut geht, werden wir bequem. Darum bin ich der Meinung: Wer nicht nur vorgibt an Jesus als seinen Herrn und Gott zu glauben (im Sinne von „für wahr halten“ - das verändert i.d.T nichts, da gebe ich Ihnen auch recht) sondern ihm glaubt (im ursprünglichen Sinne von „pisteuo“ - vertrauen, sich anvertrauen) der wird sich auch verändern lassen (weg von sich, hin zum Nächsten).
Ich hab den Eindruck wir reden von was gänzlich Verschiedenem, wenn wir von Gott und dem Verhältnis das "Mensch" zu Gott hat bzw. haben sollte, sprechen. Kann es sein, dass Sie „nur“ vom Menschen reden, selbst dann, wenn sie von Gott sprechen? Kann es sein, dass Sie damit sagen und letztlich verborgen zwischen den Zeilen behaupten: Es gibt überhaupt keinen Gott? Wollen Sie sagen: Darum hört auf, Euch um einen Gott Gedanken zu machen, hört auf, an ihn zu Glauben (im Sinne von „für wahr halten“), sondern setzt euch ein für die Beseitigung der Probleme dieser Welt, dazu brauche ich keinen Gott?
Und Ihre Beweisführung: Menschen die an Gott glauben tun (ihrer Meinung nach) nichts, sondern legen ihre Hände in den Schoß (kennen Sie nur solche Glaubenden?) Und selbst wenn dies ihre Erfahrung ist, wie kommen sie dann zu dem Satz - mir fehlt da wirklich der logische Zusammenhang - "Kein Gott wird die Welt retten" ?
Dass Menschen, die an einen Gott glauben, sich nicht einsetzen ist schlicht nicht wahr (Misserior, Brot für die Welt, Diakonische Werk, Katastrophenhilfe der Diakonie, Hilfe für Brüder, - wenn Sie es denn schon an Organisationen festmachen wollen). Darüber hinaus scheinen Sie blind zu sein für den Einsatz, den viele Christen (die ihr Christsein so verstehen, dass Jesus Christus ihr Gott ist) im Kleinen, in ihrem Alltag bringen. Da ist der Besuch beim kranken Nachbarn, da ist der Einkauf für die alte gebrechliche Frau aus der Gemeinde, da sind die zwei Stunden, die ein altes Ehepaar beim Kind der Alleinerziehenden verbringen, damit diese einen Abend frei hat, da ist der Einsatz als "Grüne Dame" im Krankenhaus, da ist der junge Mann, der eine Bewohnerin des Altenheims einmal die Woche mit dem Rollstuhl spazieren fährt, da ist die Hausaufgabenhilfe (ehrenamtlich) für ein Migrationskind, und und und - und das alles, weil Jesus zu den Leuten gesagt hat (über eine Bibelstunde oder ein Gespräch mit dem Pastor, oder weil sie selbst in der Bibel gelesen haben): Was ihr einem dieser Geringen getan habt, das habt ihr mir getan.
Dies nur um zu zeigen, dass Menschen, die ihrem Gott (Jesus) nachfolgen, sich durchaus auch engagieren. Dass dadurch die Welt nicht gerettet ist - o.k. Ich glaube sowieso, dass nur Gott die Welt retten kann. Aber da sind wir wahrscheinlich meilenweit voneinander entfernt.
Kann es nicht genau anders herum sein: Wer in Jesus Gott begegnet und sich an ihn bindet, der hat einen Halt und Anerkennung, Geborgenheit und Auftrag, Sinn und Ewigkeitsperspektive, und das alles nicht an seiner Leistung und eignem Erfolg festgemacht, sondern an Gottes Zuwendung. Ich bin Gottes Kind, weil ich glaube (i.S. von vertrauen, sich anvertrauen) und darum kann ich mich da einbringen, wo ich es (Gaben gemäß, Kräfte gemäß, meinen Möglichkeiten entsprechend) kann. Ich muss aber auch nicht daran zerbrechen, dass ich nicht allem und jedem Problem gerecht werde. Ich kann mich nicht und muss auch nicht an allen Fronten kämpfen (Klimaerwärmung, wirtschaftliche Ausbeutung der Schwächeren, Inflation der Reispreise, ... ich ergänze AIDS-bekämpfung, politischer Kampf für die Freiheit Tibets...) Es reicht vielleicht sogar meiner Mutter, meinem Bruder, meinem Nächsten zu vergeben und entsprechend als Versöhnter Versöhnung praktisch zu leben. Daneben pflanze ich noch einen Baum, der in 10 Jahren ne Menge CO2 aus der Luft ziehen wird.
Das alles ist mir aber nicht das wichtigste, muss ich gestehen. Jesus sagte einmal (oder er soll es gesagt haben – das ist mir relativ wurscht – dann sagten es eben die ersten Jünger in seinem Sinne – ich glaube schließlich und endlich auch an den Heiligen Geist, oder?): Was würde es dem Menschen helfen, wenn er die ganze Welt gewinnt, und doch an seiner Seele Schaden nimmt?
Aktion folgt für mich aus dem Angenommen sein durch Gott und nicht anders herum.

Dann bin ich in einem großen Bogen wieder am Anfang angekommen. Ich glaube wir reden von was ganz Verschiedenem, so sagte ich, denn dieses „Angenommen sein“ von Gott ist Ihnen – das lese ich zumindest aus ihren Zeilen, als ihre Grundhaltung - nicht im Blick und für Sie kein Wert. Sie bemessen den Menschen an seinen Taten, ob er etwas gegen die Probleme dieser Welt unternimmt und damit genug. („Nachfolge Jesu“ ist dazu gar nicht nötig, das ist ein Argument, das Sie genauso gut weglassen könnten – vermute ich mal - es würde sich jedenfalls in Ihrer Argumentation dadurch nichts ändern, denn „sich einsetzen“ für xy kann man auch ohne diesen „Jesusquatsch“).

14:  Kommentar von Mirjam Sydler – 15.05.2008
 
Menschen, die Jesus verehren – sei er nun göttlich oder nicht – haben sicherlich dem Übel dieser Welt viel entgegenzusetzen, so lange sie den seinen Weg gehen, oder es zumindest versuchen.
Menschen, die aber an einen allmächtigen Gott glauben, geraten wahrlich oft in Versuchung, die Verantwortung zu oft abzugeben oder das Gewissen zu beruhigen mit Aussagen, wie, der Mensch würde Schaden nehmen, wenn er sich für die Welt einsetzen will!
Man könnte meinen, die Menschen auf der ganzen Welt würden aus keinem anderen Grund schaden nehmen können!
Solche Aussagen müssen schon mit Vorsicht genossen werden. Natürlich soll ein Mensch nicht über seine Kräfte hinaus sich für die anderen einsetzen. Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst!
Und das ist genau das, was Frau Amman sagt: Egal ob Jesus göttlich war und egal ob Gott allmächtig ist, wir dürfen niemals sowohl die Eigenverantwortung wie die Verantwortung für unsere Umwelt und die Mitmenschen dürfen aus Glaubensgründen vernachlässigen!
Zum zitierten Paradies. Ist es denn wirklich so paradiesisch. Natürlich leben wir hier in Europa gut. Aber für mich gehört die ganze Welt und nicht nur mein Land zu meinem Leben. Der Nachbar und nicht nur meine Familie. Die Weltlage und nicht nur mein Bankkonto. Uns da sieht es dann leider alles andere als paradiesisch aus.
Herr Hug schreibt, wenn es Menschen gut geht, dann werden sie bequem. Natürlich ist das so und das soll auch so sein. Der Mensch braucht Phasen, in denen er sich zurücklehnen und ausspannen darf, sonst wird er krank. Wichtig ist aber, dass wir das alles schätzen, dankbar dafür sind und im Gegenzug unsere Verantwortung walten lassen, im täglichen Leben.
Und hier kann Herr Hug dann mit seinem Wirken im kleinen kommen. Natürlich können wir die Weltlage nicht ändern. Das verlangt ja auch keiner von uns. Aber wir dürfen neimals aufhören, kritisch zu sein und unser Handeln, (und halt manchmal auch das anderer) zu hinterfragen.
Aber wenn dann ausgerechnet ein Herr Lau mir unterstellt – (aber das kann er ja sehr gut, wie ich im Blog gelesen habe!) ich würde über den Glauben anderer Menschen urteilen und über ihre Erfahrungen herabsetzend reden, dann kann ich wirklich nur der Botschaft Jesus folgen und der würde sicher sagen; vergib ihm, er kann nichts dafür.
Wissen Sie Herr Lau, Mensch bleibt Mensch. Ob er nun an Gott glaubt oder nicht und auch wie oder an welchen Gott er auch immer glaubt. Der Unterschied macht ganz etwas anderes.
Dazu ein Zitat: „Herr gib mir die Kraft, das Gute zu erkennen. Gib mir den Mut, das Böse zu bekämpfen und gib mir die Weisheit, das eine vom Anderen zu unterscheiden.“
Dieser Spruch sollte stets das Ziel von uns Menschen sein. Zugegeben, nicht immer einfach, wie es das Zitat ja schon sagt.
Aber das macht das „göttliche“ im Menschen aus – wie Frau Simon es so schön zu bedenken gibt.
Herr Hug schreibt, dass er daran glaubt, das niemand ausser Gott die Welt retten kann. Vermutlich hat er ja recht, da wir Menschen uns schon zu weit in die Sosse geritten haben. Aber ich finde Menschen gefährlich, die sagen, dass sie im Namen Gottes etwas tun. Die meisten Menschen, die solche Aussagen nötig haben, verfolgen oft (zum Glück auch oft unbewusst und unverschuldet, da sie sich darüber nicht ganz im klaren sind) eigennützige Ziele und das ist etwas, was über Jahrhunderte hinweg dazu führte, dass Religion heute oft unseriös und unglaubwürdig wirkt. (oder wie Prof. Hollenweger diese Spekulationen „Barrieren für den Glauben“ nennt.)
Die Sache mit dem Glauben ist, dass niemand es richtig weiss und doch alle es zu glauben wissen. Das ist nicht das Problem, da die Menschheit vermutlich damit auf eine „höherere“ Probe gestellt wird.
Aber wenn Herr Hug Frau Amman dann unterstellt, dass sie keinen Gott brauche, nur weil sie sagt, dass der Mensch Verantwortung übernehmen muss, anstatt sich blind auf einen allmächtigen Gott zu verlassen und sich zurückzulehnen, dann finde ich das schon interessant!- und denkwürdig!
Sehen Sie meine Herren, das ist vermutlich der Grund, warum es in der Welt keinen Frieden gibt. Und ich denke, es war auch der Grund, warum Jesus es ablehnte, angebetet zu werden!-

15:  Kommentar von Hans-Werner Hug – 15.05.2008
 
Einen kleinen Augenblick liebe Frau Sydler,
sie müssen schon im Zusammenhang diskutieren und nicht an einer Stelle einhaken, die in eine andere Richtung führt.
Es geht um die Fragestellung, ob Jesus als Gott verehrt wurde und das schon in den frühen biblischen Zeugnissen oder nicht.
Frau Amman schrieb: "Es ist ein Unterschied, ob ich einem menschgewordenen Gott nachfolgen will, oder einem herausragenden, integren Menschen, der seine Konsequenz mit seinem Leben bezahlt hat. Einem Gott nachzufolgen fordert keine Entscheidungen, keine Tat."
Damit lenkte sie die Diskussion auf die Handlungsebene, und beantwortet diese Alternative (Gott oder "nur" Mensch) in der Weise: An den menschgewordenen Gott zu glauben ist nicht nötig, im Gegenteil sogar hinderlich. Dabei richtet sie ihren Blick auf den Nutzen, das scheint ihre erste Priorität in Sachen Glauben zu sein - die Beseitigung der Not dieser Welt.
Zusammen mit der Ausspruch: "Kein Gott wird die Welt retten..." habe ich geschlossen - das ist dann keine Unterstellung mehr - dass sie, um ihrer Priorität gerecht zu werden, keinen Gott braucht.
Ich bitte sie, die Diskussion richtig wieder zu geben. Es ging nicht um die Alternative eines "allmächtigen Gottes" contra "Verantwortung des Menschen", sondern es ging um die Behauptung, an den menschgewordenen Gott in Jesus zu glauben (das ist ja gerade der Gott, der sich in gewisserweise ohnmächtig gemacht hat) würde verantwortliches Handeln des Menschen verhindern. Wenn sie richtig gelesen haben, dann haben Sie auch gelesen, dass ich gerade nicht der Meinung bin, dass es richtig ist, sich zurückzulehnen, sondern dass die Anbetung Jesu in den Dienst am Nächsten - wie auch immer - führt.
Ein weiterer Punkt: Mag sein, dass es gefährlich ist, wenn Menschen behaupten, sie würden im Namen Gottes handeln - wenn sie damit zerstörerisches, eben eigennütziges Tun meinen. Ist es weniger gefährlich, wenn Menschen in ihrem eigenen Namen entsprechend handeln? Und wenn sie beten: "... Herr gib mir die Weisheit das eine vom anderen zu unterscheiden" und sie bekommen diese Gabe der Unterscheidung, ist dann nicht auch im Namen Gottes unterschieden? Weshalb sollte im Namen Gottes das Böse bekämpfen, bzw. das Gute zu erkennen gefährlicher sein, als in der geschenkten Weisheit und dann im eigenen Namen das Böse zu bekämpfen?
Und vor allem, glauben sie dann davor gefeit zu sein nicht eigenwillig zu handeln?

Und ehrlich gesagt, es ärgert mich, wenn sie dann den Weltfrieden mit einer Diskussion dieser Art verbinden, als wäre der Weltfrieden gefährdet, wenn man sich an einer Diskussion beteiligt. Ich denke, wir sollten uns nichts unterstellen, sondern davon ausgehen, dass Sprache ein so komplexer Vorgang ist, dass nicht immer alles so ausgedrücken werden kann, wie es gedacht worden ist. Und zudem, bin ich nicht in der Lage zu behaupten, ich kann alles durchschauen und läge immer richtig. Gerade darum habe ich auch einen gnädigen Gott nötig.
Wir sollten uns aber auf jedenfall die ehrliche Absicht unterstellen. Dann wären wir dem Freiden i.d.T. ein bisschen näher gekommen.
"Sehen sie meine Herren" - höre ich da heraus, dass wir Männer - entschuldigen sie, wenn ich noch weiter zuspitze - auch noch Männer, die an die Gottheit Jesu glauben - ja schließlich diejenigen sind, die nicht zum Frieden fähig sind? Sie aber....
Wo dann noch der Zusammenhang bestehen soll, dass es Jesus darum!! (warum?) abgelehnt haben soll angebetet zu werden - versteh ich nicht.

16:  Kommentar von Robert Lau – 16.05.2008
 
Ja, ich will gerne eingestehen, dass Sie, Frau Simon, den Konsens neutestamentlicher Wissenschaft mit ihren Überlegungen beschreiben. Die Göttlichkeit Jesu wird als hellenistische Besonderheit, oder Überfremdung gesehen. Legitim allenfalls als zeitbedingte Inkulturation des Evangeliums für griechisch denkende Menschen. So gesehen für uns nicht wegweisend.
Die Göttlichkeit Jesu zeigt sich aber anfänglich nicht als Reflexion oder Inkulturation, sondern ist gelebte Praxis, nämlich des Gebets.
Drei Beobachtungen sprechen dafür: Die Proskynese wird im NT legitim ausschließlich Gott oder Jesus zuteil. Da, wo irrtümlich Menschen oder Engeln die Proskynese widerfährt, wird dies vehement abgelehnt (Apg 10,25; Offb 19,10). Also ganz konsequent nach dem Wort Jesu in Mt 4,10! Natürlich gab es auch ein „auf die Knie fallen“ in rein menschlichem Sinne (ihre Vermutung bei der Sturmstillung), das wird aber begrifflich immer anders beschrieben (und sah auch anders aus, wie ich bei einem Juden gelernt habe). Ich habe ja nur zwei Belegstellen genannt und verweise in dieser Sache auf das EWNT.
Schon an dieser Stelle scheitert der geläufige Erklärungsversuch: Ein für Judenchristen schreibender Autor (Matthäus) hätte nicht eine heidnisch anmutende Gebetspraxis (1. Gebot!) aus dem Hellenismus zurück ins Leben Jesu projizieren können. Das hätten die nicht mitgemacht.
Zweitens bezeichnet „epikalein“ die Anrufung Gottes oder Jesu im Gebet. Die Wendung „den Namen des Herrn Jesus anrufen“ ist geradezu terminus technikus für das Beten. Erläuterungen dazu im „Kittel“. Nun steht dieser Befund klar gegen den von Ihnen angedeuteten Konsens der Neutestamentler bezüglich der Genese der Christologie. Man kann sich einfach nicht vorstellen, dass solche Anrufung für die älteste Christenheit selbstverständlich gewesen ist, weil diese ja ein Wissen um eine Göttlichkeit Jesu einschließt. Deshalb wird bei den relevanten Stellen gerne behauptet, „epikalein“ hieße auch Bekennen oder es sei eine Art von Akklamation gemeint. Das sind aber Hilfsvermutungen, weil nicht sein kann, was nicht sein darf.
Drittens wurden die Christen bevor Sie in Antiochien „Christen“ genannt worden, umschrieben mit der Wendung „die den Namen anrufen“ (Apg 9,14 +21) – gemeint ist der Jesusname. Das war das Besondere (Begründung im Kittel)!
Ich gebe ihnen Recht, dass nach jüdischer Lehre schwer vorstellbar ist, dass in einem Menschen Gott begegnet (trotz gegenteiliger Stellen im AT!). Wenn aber von Anfang an - auch bei Judenchristen - Jesus angebetet wurde, dann muss erklärt werden, warum es an dieser Frage keine Kontroverse gegeben hat, oder warum es keiner Begründung für dieses auffällige Verhalten bedurfte. Bei der Rekonstruktion scheint mir folgende Antwort am plausibelsten: Die Anbetung war von Anfang an ein Reflex auf den unvergleichlichen Eindruck der Person Jesu. Das spiegelt z. B. der Bericht der Sturmstillung, oder auch die Anbetung des Auferstandenen in Mt 28. Daraufhin haben die Apostel (sonst hätte keiner die Autorität dazu gehabt – auch nicht Paulus) die Anbetung Jesu mit der Verheißung aus Joel 3,5 in Verbindung gebracht (Apg. 2,21, Röm 10,12f). Das sind die Anfänge der hohen Christologie. Innerhalb des NT geschieht sie aber nicht in Form von Reflexionen, sondern in Bekenntnissen, Gebeten und Liedern. Wahrscheinlich ist auch nur das angemessen. Wäre die Göttlichkeit Jesu zuerst Reflexion gewesen (Mehrheitsmeinung), dann hätte es in der frühen Christenheit auch endlose Auseinandersetzungen gegeben – wie später in der Christenheit.
Aus diesem Grunde kann es müßig sein, die Göttlichkeit Jesu zu erklären. Meinen Kindern erkläre ich sie auch nicht. Aber ich bete, singe und manchmal bekenne ich auch, wenn es Nachfragen gibt. Damit mache ich gute Erfahrungen. Noch eine Erfahrung: Die Anrufung des Namens Jesu bringt auch heutzutage Erfahrungen von Rettung. Für mich ist das viel mehr als ein Baustein bei der Rekonstruktion der neutestamentlichen Christologie.

17:  Kommentar von Judith Ammann – 16.05.2008
 
Es ist einfach nicht nötig, Jesus zu Gott zu machen. Er hat sehr viel vom Wesen Gottes verstanden - mehr als ich oder jeder Durchschnittsmensch - und hat sein Wissen, seinen Glauben, seine Überzeugung in seinen alltäglichen Begegnungen ganz bewusst konkret gelebt, dafür gibt es viele eindrückliche Beispiele. Deshalb ist er mein Vorbild. Und natürlich begegnet uns in Jesus Gott. So wie Gott uns übrigens auch in den "Bedürftigen" der Welt begegnet gemäss Jesus (Matth. 25,31ff). Ich wehre mich gegen einen abgehobenen, verkopften Glauben, der zwar kirchenpolitisch korrekt daherkommt, aber keine Auswirkungen hat im täglichen Leben.

18:  Kommentar von Hans-Werner Hug – 19.05.2008
 
Es ist einfach nicht nötig, ihm sein Gott sein abzusprechen. Ich habe die ersten Zeugen auf meiner Seite, Sie nur Herrn Prof Hollenweger und ein paar andere Professoren einer Episode der Theologiegeschichte. Und außerdem, wieso soll er als Sohn Gottes,, also als der, der Gott auf dieser Welt verkörpert hat nicht "ganz bewusst konkret gelebt" haben können? Es ist doch pure Spekulation, dass er sich nicht als solcher verstanden hat, wenn auch eine weit verbreitete Spekulation (Das Selbstverständnis Jesu wird erschlossen, nachdem man vorher schon definiert hat, was er nicht gedacht, gefühlt, gesagt, gemacht haben konnte. Hier läuft man in die Falle des Ringschlusses).
Die ersten Zeugen erzählen es uns jedenfalls so - was anderes haben wir nicht - sicher aus der Retrospektive, aus der Sicht der Auferstehung und "voll Heiligen Geistes" (also nach der Gabe des Heiligen Geistes)- Ich weiß, sie lächeln jetzt, weil sie mich für naiv halten.
Versuche den historischen Jesus herauszuschälen halte ich für gescheitert. Viel zu subjektiv sind die vorher eingetragenen Axiome der jeweiligen "Forscher".
Ich habe nichts dagegen, dass Sie sich diesen Menschen Jesus, der er ja auch
war, als Vorbild nehmen. - Wie aber gehen Sie mit dem Scheitern in der
Nachfolge um? Oder gibt es so was bei ihnen nicht?
Mir wäre das zu wenig, zumal es genügend andere Helden in der Geschichte gab, wie eben den erwähnten Gandhi.
Ich will Ihnen aber ihre Nachfolge nicht madig machen, ich halte es lediglich
für falsch, allen, die Jesus als eine „Person“ (ich weiß, dass dieser Begriff
den Anforderungen nicht genügt) Gottes verehren nachzusagen, sie würden sich deswegen bequem zurücklehnen und die Hände in den Schoß legen und es hätte keine Auswirkungen auf ihr Leben. Woher wissen sie das? Reden sie da aus eigener Erfahrung oder reden sie das jemandem
nach? Ich jedenfalls kann das von meinem Leben her und vom Leben so manches mir persönliche bekannten Zeugen Jesu heutiger Zeit nicht bestätigen.

19:  Kommentar von Judith Ammann – 20.05.2008
 
Nein, ich lächle nicht. Ich bin traurig, weil Sie aus dieser Diskussion ein Wettkampf machen. Es geht doch nicht darum, wer mehr Zeugen auf seiner Seite hat!

20:  Kommentar von Diana Simon – 22.05.2008
 
Hier findet wieder die uralte Diskussion zwischen der Urgemeinde und Paulus statt. Die Nachfahren der Apostel leugneten sowohl Jesu Göttlichkeit als auch die Jungfrauengeburt (z. B. Schoeps: Urgemeinde, Judentum, Gnosis). Die Ironie der Geschichte ist, daß die Paulinische Mysterienreligion sich dank ihres Wiedererkennungswertes verbreiten konnte, während die Nachfahren der Urgemeinde spätestens mit der Verbreitung des Islam untergingen.

Die Wissenschaft kann sehr wohl eine Entwicklung von Markus über Matthäus und Lukas zu Johannes herausschälen. Da kann man auch als Laie den zunehmenden Einfluß hellenistischen Denkens feststellen. Das noch viel später entstandene Glaubensbekenntnis enthält überhaupt nichts mehr von Jesu Lehre.

Vermutlich läßt sich heute wie vor 2000 Jahren die eine Fraktion nicht von den Argumenten der anderen überzeugen.

Ich bin deshalb dafür, sich mehr mit der Lehre Jesu zu befassen und wie wir heute nach ihr leben können.

Wer sich zusätzlich noch mit den Ausläufern antiker Mysterienreligionen befassen will, der mag das tun. Ich respektiere das selbstverständlich. Ich verlange aber auch, daß die Anhänger einer wissenschaftlichen Richtung, wie sie Herr Hollenweger vertritt, ihren Platz in der Kirche finden.

Ich persönlich finde mich von der Kirche (evangelisch) für dumm verkauft - um meine Gefühle vornehm zu umschreiben - weil sie mir die Erkenntnisse der Forschung vorenthält und ich mir sie mühsam aneignen muß. Die Katholiken sind natürlich noch schlimmer dran, da gibt es nicht mal eine freie Forschung.

Mt 9,36: "Als er aber die Volksscharen sah, empfand er Mitleid mit ihnen. Denn sie waren abgehetzt und ganz verwahrlost, wie Schafe, die keinen Hirten haben." Trifft das nicht auf die heutige Situation zu? Weshalb ist denn der Dalai Lama beliebter als der Pabst?

Sollten wir nicht endlich die Lehre Jesu weitergeben an die spirituell hungernden Menschen? Und zwar, wie Jesus, in Wort UND TAT?

21:  Kommentar von Robert Lau – 26.05.2008
 
Das Werk von Schoeps ist über 50 Jahre alt. Seine Ergebnisse spiegeln kaum den Wissensstand heutiger Forschung wider. Allerdings: in den 1950er Jahren waren solche Ansichten in der Evang. Theologie verbreitet. Heute würde man sicher die umfangreiche Untersuchung von Martin Hengel zu Rate zeihen (Judentum und Hellenismus 1988). In den 1950er Jahren konnte man noch die Gnosis als vorchristliches Phänomen beurteilen. Heute wird sie gegen Ende des ersten Jahrhunderts angenommen. Der gnostische Erlösermythos sowieso viel später. Auch die Mysterienreligionen haben schwerlich bei der Ausgestaltung des Kerygmas oder der Sakramente Pate gestanden. Es gab eine denkbar enge Verzahnung von Hellenismus und Judentum in Palästina und der Diaspora. Die überkommene Unterscheidung von zwei Typen des Urchristentums, von denen der eine palästinensisch und der andere hellenistisch war, ist hinfällig. Die Sprache des Kerygmas ist keineswegs synkretistisch-gnostisch, sondern alttestamentlich-frühjüdisch geprägt. Die Tradition der Jungfrauengeburt ist judenchristlich. Zudem repräsentieren die Ebioniten (die von manchen Kirchenvätern zu Unrecht ausgegrenzt wurden) nicht das gesamte Urchristentum. Auch die Göttlichkeit Jesu wurde implizit anerkannt (s.o.).
Etwas ratlos bin ich bei ihrem Wissenschaftsbegriff. Wo enthält die Kirche ihnen Erkenntnisse der Forschung vor? Ich komme aus Deutschland und kann nur sagen, dass das für den Bereich der EKD nicht stimmt. In vielen Pfarrämtern gibt es Bibliotheken mit theologischer Literatur (nicht nur über 50 Jahre alte). Auch kenne ich keinen Theologen aus meiner Kirche, der nicht eine wissenschaftliche Richtung vertreten würde. Allerdings: Trotz Wissenschaft kann man zu unterschiedlichen Ergebnissen und Einschätzungen kommen!
Treffen tun wir uns bei ihren Schlussüberlegungen. Dem ist auch aus meiner Sicht nichts hinzuzufügen.

22:  Kommentar von Hans-Werner Hug – 30.05.2008
 
Liebe Frau Ammann,
ich halte es für sinnlos auf diesem Niveau weiter zu diskutieren.
Sie haben die Gabe, das unwichtigste herauszupicken. Es geht mir nicht darum ob sie lächseln oder weinen, oder einen Wutanfall kriegen. Antworten Sie doch einmal auf die Fragen, die ich gestellt habe.
Woher wissen Sie denn jetzt, dass Menschen, die Jesus als Gott verehren, sich deswegen, weil sie das tun, bequem zurücklehen, etc.
Außerdem ist die Frage nach den Zeugen - ich meine die biblischen Zeugen - nicht mit einem Wettkampf zu vergleichen, so ein Oberquatsch. Es geht doch um die Frage der Gewichtung. Wenn wir die Theologiegeschichte besehen, wieviel wurde schon behauptet und wieviel ist spätestens mit der nächsten geistesgeschichtlichen Strömung wieder überholt worden. Die biblischen Zeugen aber sind immer noch Grundlage und sind mitnichten überholt worden. Immer wieder aufs Neue gehen wir von ihnen aus, denn - wie ich schon gesagt - etwas anderes haben wir nicht.
Wenn wir die biblischen Zeugen nicht mehr als Quelle lesen und ernst nehmen, worüber wollen wir uns dann, was den Jesus Christus betrifft, noch unterhalten? Über jedermanns und jederfraus Meinung? Ehrlich gesagt: Dazu hab ich keine Lust und ist mir auch die Zeit zu schade.
Mit freundlichem Gruß

23:  Kommentar von Mirjam Sydler – 02.06.2008
 
Ja, Herr Hug, es ist sinnlos, zu diskutieren, aber ich denke, Sie merken einfach nicht, wer hier auf der falschen Seite ist.
Ich habe anfangs niemanden angegriffen, weil ich das nicht für nötig halte und es kindisch scheint und mit Diskutieren nichts zu tun hat.
Aber dann habe ich es aufgegeben, weil es mir wirklich zu blöd ist, mit solchen Ignoranten und Besserwissern meine Zeit zu verplempern.
Sie und Herr Lau können nichts als Angreifen und Beschuldigen, und dann sind Sie auch noch zu schwach, um die Gegenargumente sachlich zu verstehen und fühlen sich in Ihrem Ego angegriffen und verletzt.
Frau Simon und Frau Amman haben recht. Es ist himmeltraurig, was für Menschen es auf dieser Welt gibt und wie schwach Sie sich doch fühlem müssen, einen solchen Artikel zu schreiben. Sie tun mir einfach nur leid. Sie müssen so etwas von unglücklich und unzufrieden sein, dass Sie so reagieren! Mir gibt das wider einmal zu denken.
Überlegen Sie sich doch einmal - allein für Ihr eigenens Seelenheil, was Sie eigentlich anrichten, nicht zuletzt an sich selber, wenn Sie so stur und unnachgiebig durchs Leben gehen und das Gefühl haben, nur Sie wissen, wie das Leben läuft.
Gerade Menschen wie Sie wissen es eben nicht. Und wissen Sie, Herr Hug, Sie mögen sich noch so angegriffen fühlen und noch so wütend reagieren, Sie werden zuletzt, zuallerletzt etwas erreichen auf dieser Welt auf Ihre Art!
Und glauben Sie ja nicht, das Ihre Sätze nur mich stören. Aber die meisten Menschen lassen Sich auf das, was Sie machen gar nicht ein.
Ich wünsche Ihnen wirklich von ganzem Herzen, und das meine ich wirklich ernst, dass Sie für Ihren eigenen Frieden etwas in sich hineinhören und einen anderen Weg finden, mit Ihrem eigenen Glauben und Ihrem Leben umzugehen, denn, was Sie hier in diesem Blog treiben ist erschreckend und traurig!
Mir ist die Zeit aber nun doch nicht zu schade, um Ihnen diese Zeilen noch zu schreiben,denn ich glaube an das Gute im Menschen und auch in Ihnen gibt es gute Seiten, da bin ich mir sicher. Aber warum zeigen Sie denn diese nicht? Sie scheuern nur Hass und Wut - gegen sich selber? Wie Sie von Anfang an auf die Diskussion eingegangen sind ist etwas vom unchristlichsten, was ich seit langem erlebt habe und jemand wie Sie sollte sich wirklich überlegen, was Glaube bedeutet - und nicht nur dummes Zeug schreiben und andere angreifen.

24:  Kommentar von Zuschauer – 13.06.2008
 
Da fehlen einem die Worte

25:  Kommentar von Diana Simon – 23.06.2008
 
Sehr geehrter Herr Lau,

es mag sein, daß es aktuellere Literatur zur Gnosis gibt als Schoeps. Als Nichttheologin sehe ich mich nicht in der Lage, die Diskussion zu verfolgen. Das ist es ja gerade, was mich an der Kirche (ev. Deutschland) ärgert, nämlich daß ich dumm gehalten werde und mit den Erkenntnissen von Anno Toback abgespeist.

Die Bücherei der Pfarrei nützt mir da auch wenig, da mir die Landesbibliothek zur Verfügung steht oder notfalls die Unibibliothek Tübingen. Ich habe aber nicht die Zeit, so nebenbei Theologie, vergleichende Religionswissenschaften, alte Sprachen und Alte Geschichte sowie Judaistik zu studieren und nebenbei noch in der Archäologie auf dem laufenden zu bleiben.

Bei Schoeps kam es mir auch nicht auf die Gnosis an, sondern auf die Frage der Göttlichkeit Jesu. Ich kann in Q, Markus und der Didache nichts finden, wo Jesus Gott gleichgesetzt wird. Die Anrufung Jesu - leider kenne ich die Stellen nicht, auf die Sie sich berufen - bedeutet doch nicht, daß Jesus als Gott angesehen wurde. Vielleicht hilft da die Unterscheidung, die die Katholiken in einem anderen Fall treffen. Nach katholischer Lehre wird Gott allein angebetet, der Gläubige kann aber auch ZU den Heiligen beten.

Ich bete auch völlig problemlos zu Jesus, obwohl ich ihn nicht als Gott ansehe.

Als Quellen bevorzuge ich Q, Markus und die Didache. Alle anderen Quellen sind bereits mit dem Gedankengut des Paulus überformt.

Wie die Jungfrau zum Kind kam, kann eigentlich recht gut belegt werden. Die Geschichte erscheint nur bei Matthäus und dem Heidenchristen Lukas, der es sicher ganz normal fand, daß ein Heros von einer Jungfrau geboren wird und nicht von der Ehefrau eines Handwerkers.

Matthäus verweist auf Jesaja: "Eine junge Frau wird einen Sohn gebären..." Das hebräische Wort 'almah bezeichnet eine Frau, die noch nicht geboren hat, das hebräische Wort für Jungfrau ist betula. Hat man also ein ganzes theologisches Denkgebäude auf eine fehlerhafte Übersetzung aufgebaut?

Zum Thema Wissenschaft: da muß ich mich entschuldigen. Wenn ich "Wissenschaft" schreibe, denke ich nicht an die Theologie sondern in diesem Zusammenhang in erster Linie an die Geschichtswissenschaft.

Wir können zu den genannten Themen Argumente austauschen, das finde ich ganz interessant. Wirklich wichtig finde ich aber, was Jesus uns gelehrt und vorgelebt hat. Ich suche verzweifelt nach Hilfestellungen, wie ich das in mein alltägliches Leben integrieren kann, z.B. darf ich mir meine Katze leisten, deren Futter mehr kostet als das Essen für ein Kind in der dritten Welt??

Ich besitze ein Klavier und ein wertvolles religiöses Kunstwerk - ist das Sünde??

Hätte ich nicht einen solzialen Beruf ergreifen müssen?

Das sind hier natürlich rhetorische Fragen, aber vielleicht verstehen Sie jetzt meinen Ärger mit abgehobener Theologie.

Es freut mich, daß wir uns darin einig sind, daß die Menschen die Lehre Jesu dringend brauchen und alle Christen gefordert sind, sie neu zu verbreiten.

26:  Kommentar von Diana Simon – 23.06.2008
 
Ich würde mich freuen, wenn die Diskussion in einem freundlichen und respektvollen Ton geführt würde. Kann irgendjemand Christen ernstnehmen, die sich auf Jesu berufen, der die Nächstenliebe lehrt, wenn wir so rüde miteinenader umgehen?

27:  Kommentar von Robert Lau – 30.06.2008
 
Sehr geehrte Frau Simon,
also das mit der Nachfolge heute ist ein spannendes Thema. Dazu müsste es wohl noch einmal einen gesonderten Blog geben. Das Problem ist, dass häufig erst im Nachhinein klar erkannt wird, was überzeugende Nachfolge ist. Für mich ist ein aktuelles Feld der Nachfolge der Kampf gegen den Klimawandel. Da wünschte ich mir auch von den Kirchen mehr „Biss“. Aber ein wenig tut sich auch (www.Zukunft-einkaufen.de).
Die Fragen der historischen Kritik sind naturgemäß sehr komplex. Ich denke da ist es hilfreich, auch über die jeweiligen Grundannahmen zu sprechen. Sie tun das ja auch (Logienquelle, Überformung durch Paulus usw.) Meine Grundannahme ist die, das die biblischen Schriften in ihrer Vielschichtigkeit in die richtige Richtung weisen. In einem Kirchenlied heißt es: „Dein Wort ist wahr und trüget nicht.“ Davon gehe ich aus. Obwohl ich auch weiß, dass die Bibel Fehler enthält. Damit liegen wir aber ein ganzes Stück auseinander. Trotzdem gibt es eine Schnittmenge.
Ich glaube auch, dass man zeigen kann, dass sich die Glaubwürdigkeit der Evangelien mindestens genau so gut belegen lässt, wie ihre Infragestellung.
Zum konkreten: Das Proskynein (Mt. 14,33) auch Anrufung im kath. Sinn sein kann, ist sprachlich ausgeschlossen. Das Wort epikalein (Anrufung) ist diesbezüglich vielschichtiger. Wichtig ist aber die Feststellung eines 'terminus technikus' für die Wendung „den Namen des Herrn anrufen“. Das bedeutet, dass die Wendung ausschließlich für das Gebet reserviert ist.
Da Sie das Markusevangelium sehr schätzen, werden sie sich möglicherweise von diesem bestätigt fühlen, da Jesus dort nicht in legitimer Weise die Proskynese widerfährt. Das will ich gerne eingestehen. Andererseits: Die Göttlichkeit Jesu vertritt auch Markus, wie man z.B. ganz am Anfang anhand des Jesajazitats erkennen kann (1,3).
Ihr anderes Beispiel aus Jes. 7,14 ist sprachlich recht übersichtlich. Denn Almah wird im AT nur siebenmal gebraucht. Das Wort bezeichnet entweder ausdrücklich eine Jungfrau, oder es impliziert, daß eine Jungfrau gemeint ist, da sich almah in der Bibel auf eine unverheiratete Frau mit gutem Ruf bezieht. In Genesis 24,43 z. B. ist von Rebekka, der künftigen Braut Isaaks, die Rede, die in Genesis 24,16 auch als hetulah bezeichnet wurde. In Exodus 2, 8 bezieht sich das Wort auf die ältere Schwester des Säuglings Mosche, Mirjam, ein neunjähriges Mädchen, ganz sicher eine Jungfrau. An den anderen Stellen, an denen der Begriff almah vorkommt, ist von jungen Mädchen die Rede, die die Pauken schlagen (Psalm 68,26), von Mädchen, denen der Hof gemacht wird (Sprüche 30,19) und von den Jungfrauen am Königshof (Hoheslied l, 3; 6,8). Bei jedem dieser Beispiele wird aus dem Kontext deutlich, daß es hier um unverheiratete Frauen von gutem Ruf handeln muß, das heißt um Jungfrauen.
Hinzu kommt, daß Mt aus der Septuaginta zitiert, der ersten Übersetzung des AT ins Griechische, die mehr als zweihundert Jahre vor Jesu Geburt entstand. Die jüdischen Übersetzer der Septuaginta wählten das griechische Wort parthenos für das hebräische almah. parthenos aber heißt »Jungfrau«. Diese klare sprachliche Regelung wurde lange vor dem Begriffsstreit getroffen, den das Neue Testament auslöste.
Es wäre denkbar, dass Jesaja an dieser Stelle das Wort almah statt betulah wählt, weil betulah im biblischen (im Gegensatz zum späteren) Hebräisch nicht immer zweifelsfrei eine Jungfrau bezeichnet, wie wir aus Joel l, 8 erfahren: »Heule wie eine Jungfrau, die Trauer anlegt um des Bräutigams ihrer Jugend willen.« Und in Deuteronomium 22,19 wird für eine Frau nach ihrer Hochzeitsnacht der Begriff betulah gebraucht.
Aber auch der Sinn von Jes. 7,14 spricht meines Erachtens für die Übersetzung Jungfrau. Denn die Schwangerschaft einer ‚jungen Frau’ ist nun wirklich das Normalste und kein göttliches „Zeichen“.
Das ist natürlich nur ein Aspekt der Diskussion um die Jungfrauengeburt. Ausführlicher habe ich mit Frau Ammann darüber unter „Johannes Ehrlich“ diskutiert.
Insgesamt zweifle ich aber auch immer wieder an meiner Version der ‚Wahrheit’. Ich frage mich dann: Geht es anderen ähnlich? Zweifelt auch Herr Hollenweger mal an den Erkenntnissen seiner Studienzeit? Oder Zweifeln Sie z.B. nicht auch mal daran, ob es Q überhaupt je gegeben hat (die Theorie stammt aus Deutschland und wird deshalb auch in Deutschland hauptsächlich vertreten – in anderen Ländern sieht es anders aus)? Ist das alles so sicher, oder gibt es auch Zweifel? Der Zweifel hat für mich auch etwas sehr positives.

28:  Kommentar von Walter J. Hollenweger – 16.07.2008
 
Liebe Frau Simon,

machen Sie sich keine Sorgen darüber, dass Sie ein Klavier haben und eine Kunstfreundin sind. Sehr viel wichtiger ist, dass Sie Ihre kritische Begabung in die Kirche einbringen. Sie sagen: Dazu gibt es keine Gelegenheit. Dann schaffen wir diese. Laden Sie ein Dutzend motivierte kritische Menschen zu einer Gottesdienstvorbereitung ein. Ich bin zwar alt, aber dafür würde ich nach Württemberg kommen. Das kostet Sie nichts. Ich bin gewohnt, für meine Einkommen Gott zu vertrauen.

Mit herzlichem Gruss, Walter J. Hollenweger

29:  Kommentar von Diana Simon – 19.07.2008
 
Lieber Herr Hollenweger,

ich werde Ihnen morgen einen Brief schreiben.

Herzliche Grüße

Diana Simon

30:  Kommentar von Diana Simon – 20.07.2008
 
Sehr geehrter Herr Lau,

jetzt verstehe ich Sie schon viel besser. In der Grundannahme sind wir uns sogar recht nahe. Auch ich denke, daß uns die biblischen Schriften die richtige Richtung weisen. Der Unterschied ist wohl der, daß ich nicht an Berichte glaube, die naturwissenschaftlicher Erkenntnis widersprechen. Die Menschen früherer Zeiten hatten unsere naturwissenschaftlichen Kenntnisse nicht und so erschien ihnen manches als Wunder, das wir heute erklären können.

Ich vermute auch, daß vieles im Altertum, wie z.B. die Jungfrauengeburt (oder bei Athene sogar die "Geburt" durch einen Mann) Chiffren sind, die wir heute nicht mehr richtig zu lesen vermögen. Wir kennen einfach die Konnotationen nicht mehr.

Vom heutigen Standpunkt aus, in dem eine Jungfrau ein weibliches Wesen mit intaktem Hymen ist, finde ich es etwas degoutant, sich mit dem Intimleben von Jesu Eltern zu befassen. Da verbietet einfach aus heutiger Sicht der Respekt, sich mit diesem Thema zu befassen. Es kann uns auch in theologischer Hinsicht nicht mehr viel sagen, weil wir uns sonst mit den anderen Junfrauensöhnen, Erweckern von Toten usw. ebenfalls befassen müßten. Hat Gott diese auch herausgehoben oder sind die Berichte schlicht erlogen???

Ich bin mit Ihnen auch auch in der Methode einig, Textstellen zu vergleichen und die Wortgeschichte zu erforschen. Ich würde mir dazu sehr viel interdisziplinäre Forschung wünschen und viele nichtgläubige Wissenschaftler, bei denen nicht im voraus feststeht, was das Ergebnis ihrer Forschung zu sein hat.

Was den Zeifel betrifft: Ich zweifle nicht bzw. der Zweifel ist in meine Denkweise schon eingebaut. Was ich schreibe, ist mein heutiger Erkenntnisstand, den ich mir mit viel Mühe nach bestem Wissen und Gewissen erarbeitet habe. Dabei ist völlig klar, daß auch im persönlichen Denken der Satz gilt, daß die Erkenntnis von heute der Irrtum von morgen ist. Es war auch mal Stand der Wissenschaft, daß Mäuse aus Lumpen und Getreide entstehen.

Überhaupt kein Problem habe ich damit, daß Sie eine andere Überzeugung haben. Jesus hat es in seiner unnachahmlich pragmatischen Ausdrucksweise auf die Formel gebracht: "An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen." Es ist also unerheblich, was unsere persönliche Überzeugung ist - wenn wir uns nur wie Christenmenschen verhalten.

Zum Klimawandel: Das meiste verbuche ich da als Alibiveranstaltung. Unsere verschwenderische und zerstörerische Lebensweise, die die Menschen ja nicht glücklich macht, wird nicht in Frage gestellt. Als Christen müßten wir ganz unten anfangen, bei dem, was der Mensch wirklich braucht. Wenn die Grundbedürfnisse erfüllt sind (und Jesus hat immer Wert darauf gelegt, daß sie es sind), müssen Möglichkeiten geschaffen werden, daß die Menschen sich weiterentwickeln (Geschichte von Maria und Martha).

Es ist weder für die Menschen noch für das Klima gut, wenn heute jeder nach Hause kommt, sich bei Bedarf etwas in die Mikrowelle schiebt und sich dann wieder in sein Zimmer vor den Fernseher oder Computer verzieht. Die Lebensweise meiner Kindheit war da wesentlich besser: die einzig geheizte Wohnküche, in der die Familie gemeinsam ißt und sich dann unterhält, Spiele spielt, liest oder musiziert.

Ich halte es für eine Sackgasse, wenn wir versuchen, den CO2-Ausstoß unter Beibehaltung unserer gierigen, egoistischen und geistlosen Lebensweise zu verringern. Was die Gier betrifft, bin ich sozusagen Buddhistin.

Viele Grüße

Diana Simon

31:  Kommentar von Robert Lau – 22.07.2008
 
Sehr geehrte Frau Simon,

da wir uns im Blog ‚Jesus von Nazareth’ befinden, möchte ich mit einem Gleichnis einsteigen. Tradent ist Hans Peter-Dürr, der bekannte Physiker und Wissenschaftstheoretiker.

In seinem 1939 erschienene Buche „The Philosophy of Physical Sciences“ vergleicht Eddington den Naturwissenschaftler mit einem Ichtyologen, der das Leben im Meer erforschen will. Dieser wirft dazu sein Netz aus, zieht es an Land und prüft seinen Fang nach der gewohnten Art eines Wissenschaftlers. Nach vielen Fischzügen und gewissenhaften Überprüfungen, gelangt er zur Entdeckung eines Grundsatzes der Ichtyologie: Alle Fische sind größer als 5 cm. Er bezeichnet diese Aussage als Grundgesetz, da sie sich ohne Ausnahme bei jedem Fang bestätigt hatte. Dem kritischen Einwand eines Betrachters, des Metaphysikers, der die grundsätzliche Bedeutung dieses Grundsatzes mit Hinweis auf die 5 cm Machenweite des Netzes bestreitet, begegnet der Ichtyologe unbeeindruckt mit dem Hinweis: „Was ich mit meinem Netz nicht fangen kann, liegt prinzipiell außerhalb fischkundlichen Wissens, es bezieht sich auf kein Objekt der Art, wie es in der Ichtyologie als Objekt definiert ist. Für mich als Ichtyologen gilt: „Was ich nicht fangen kann, ist kein Fisch.“

Weiter Hans-Peter Dürr: „Bei der Anwendung des Gleichnisses auf die Naturwissenschaft entspricht dem Netz des Ichtyologen das Gedankliche und Methodische Rüstzeug und die Sinneswerkzeuge des Naturwissenschaftlers, die er benutzt, um seinen Fang zu machen, d.h. naturwissenschaftliches Wissen zu sammeln, dem Auswerfen und Einziehen des Netzes die naturwissenschaftliche Beobachtung.“

Anders gesagt: Es gibt kein naturwissenschaftliches Netz, mit dem ich den Fisch ‚Auferweckung des Jüngling zu Nain’ fangen könnte. Sobald die Naturwissenschaft behauptet: Das, was ich mit meinem Netz fangen kann, ist die gesamte Wirklichkeit und außerhalb dieser Wirklichkeit gibt es nichts, haben wir es mit einem Glauben zu tun. Ein materialistischer Wissenschaftsglaube vielleicht. Ich teile diesen Glauben nicht. Weil es einen beträchtlichen Fang an Fischen mit dem Namen ‚ein Hirntoter wird nicht wieder lebendig’ gibt, ist es für mich noch lange nicht ausgemacht, dass es solche seltenen Fische überhaupt nicht gibt. Totenauferweckungen werden übrigens auch heutzutage berichtet (z.B. Andreas Englisch, Gottes Spuren, München 2006, 21ff). Ob die Darstellung glaubhaft ist, ist eine andere Frage. Bei der Wahrnehmung biblischer Texte möchte ich mir aber möglichst viele Optionen offen halten. Man kann natürlich kritisch zurückfragen: Was bringt denn so ein Wunderglaube? Eine ethische Anwendung, wie Sie eine am Beispiel ‚Nain’ gegeben haben, ist doch viel fruchtbarer. Ja. Zuviel Ethik kann aber ermüdend wirken. Ich finde es schön, an einen Gott mit vielen Möglichkeiten zu glauben.

32:  Kommentar von H.G. – 18.09.2008
 
Ich möchte etwas zur Nachfolge Jesu sagen. Ich weiss, ich bin etwas spät dran. Aber trotzdem möchte ich die gedanken mitteilen, die kürzlich eine Diakonisse in einem Seminar kurz und bündig zusammengefasst hat: Nachfolge bedeutet: so leben, wie Jesus lebte.
1. Jesus lebte die Liebe gegenüber allen Menschen. Er war die Liebe selber.
2. Er war sanftmütig. Alle, die zu ihm kamen, hat er wieder zurecht gebracht. Keine verurteilung! Alle, die er heilte, holte er aus der Isolation heraus und fügte sie wieder in die Gemeinschaft ein. Er machte sie heil nach innen und aussen.
3. Er war demütig. Er war echt. Er wollte nichts scheinen. Er gab sich so, wie erwar. Er war die Wahrheit selber.
4. Er war abhängig vom vater. "Ich und der Vater sind eins" Er sagte zu den Jüngern: "Ohne mich könnt ihr nichts tun!" Das gilt auch für uns.
Ich glaube, wenn wir diese 4 Punkte in unserem Leben umsetzen wollen, haben wir genug zu tun bis an unser Lebensende.

33:  Kommentar von Stefan Wehmeier – 14.08.2010
 
Kennen Sie "Ockhams Rasiermesser"? Das Prinzip besagt, dass von mehreren Theorien, die den gleichen Sachverhalt erklären, die einfachste zu bevorzugen ist.

Wenn nun diese einfachste Theorie alles erklärt und zudem ganz ohne irrationale Annahmen auskommt, während alle anderen Theorien eigentlich gar nichts erklären und im Grund nur irrationaler Unfug sind, ist davon auszugehen, dass die einfachste Theorie die richtige ist:

http://www.deweles.de/files/himmel_auf_erden.pdf